Definition |
Häufig gestellte Fragen |
Internationale Klassifikation:
ICD-10 |
DSM IV
Definition
Autismus (Frühkindlicher Autismus, Autistische Störungen, Asperger-Syndrom, ...) gehört zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Menschen mit Autismus nehmen aufgrund komplexer Störungen des zentralen Nervensystems (besonders im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung) sich und die Welt anders wahr. Sie haben vor allem Schwierigkeiten, Bedeutungen und Regeln innerhalb von Kommunikation und sozialem Verhalten zu erkennen. So bleibt die Welt für sie oft unverständlich, überwältigend und Angst auslösend.
Für die Diagnose müssen nach den internationalen offiziellen Klassifikationen ICD-10 und DSM IV Auffälligkeiten in drei Bereichen vorhanden sein:
- Sprachentwicklung, verbale und nonverbale Kommunikation
- Soziale Interaktion
- Besondere Interessen und Aktivitäten, auf Grund
einer eigenartigen Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung
In den meisten Fällen treten die Symptome bereits in den ersten drei Lebensjahren auf. Autistische Störungen können von geistigen Behinderungen begleitet werden.Es sind mehr Jungen als Mädchen betroffen, etwa im Verhältnis 3 bis 4 : 1. Die Ursachen des Autismus sind bis heute nicht vollständig geklärt. Bei der Entstehung spielen mit Sicherheit mehrere Faktoren eine Rolle. Ganz sicher ist aber, dass Autismus nicht durch familiäre Konflikte oder Erziehungsfehler entsteht.
Sprachentwicklung, Kommunikation und soziale Interaktion
Menschen mit Autismus leiden seit ihrer frühen Kindheit an extremen Beziehungs- und Kommunikationsstörungen. Sie haben grosse Schwierigkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Ihre Kommunikationsmittel sind beeinträchtigt. Sie haben Mühe, Gestik, Mimik oder Worte zu verstehen. Die Mehrheit der Menschen mit Autismus entwickeln keine Sprache. Wenn die Sprache vorhanden ist, dann hat sie spezielle Eigenheiten (z.B. monotone Ausdrucksweise, unmittelbare und verzögerte Wiederholung von Wörtern und Sätzen, Sprachanwendung nicht im kommunikativen Sinn). Häufig kapseln sich Menschen mit Autismus von der Umwelt ab und sind dauernd bestrebt, ihre Umgebung gleich zu erhalten.
Besondere Interessen und Aktivitäten
Die Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung ist beeinträchtigt. Sie folgt anderen Gesetzmässigkeiten als dies bei nicht-autistischen Menschen der Fall ist. Oft werden Menschen mit Autismus von der visuellen und akustischen Reizvielfalt überflutet. Sie sind häufig nicht in der Lage, unsere Welt zu verstehen und sich mitzuteilen. Dies fördert den Rückzug in die «eigene Welt».
Sehr typisch sind auch Stereotypien, die das Verhalten autistischer Menschen kennzeichnen. (z.B. Handbewegung, Kreiseln von Rädern, Wedeln mit Faden oder Papier). Oft werden diese dahingehend interpretiert, dass sie dem Bed entgegenkommen, die unmittelbare Umgebung nicht zu verändern. Sie bestehen zwanghaft auf ganz bestimmten Ordnungen und können ihre Eltern zur Verzweiflung bringen durch übertriebenes Sammeln bestimmter Gegenstände, durch ihre Weigerung, bestimmte Kleidungsstücke zu tragen oder durch Wiederholung immer derselben Verhaltensweise oder sprachlichen Äusserungen. Durch Stereotypien versuchen autistische Menschen, eine Ordnung in die Vielgestaltigkeit und Komplexität unserer Welt zu bringen, statt ein riesiges Chaos zu erleben. Jede Veränderung in der Routine wirkt für Menschen mit Autismus verunsichernd und kann zu verschiedenen unerwünschten Reaktionen führen, z.B. in Form von Aggressionen oder selbstverletzendem Verhalten, die das Zusammenleben mit Menschen mit Autismus erschweren und Eltern wie Fachleute vor viele Probleme stellen.
Die intellektuelle Begabung autistischer Menschen ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von geistiger Behinderung bis zu normaler Intelligenz. Ihr Entwicklungsprofil ist oft sehr aussergewöhnlich: viele haben grosse Schwierigkeiten bei alltäglichen Tätigkeiten (einkaufen gehen, einen neuen Spaziergang machen, jemanden begrüssen) und zeigen erstaunliche Begabungen in Inselfähigkeiten (Rechnen, Musik, technische Disziplin). Die Feststellung des Grades der intellektuellen Fähigkeiten ist jedoch aufgrund der Verhaltens- und Kommunikationsauffälligkeiten oftmal schwierig.
Dank Autismus-spezifischen Auswertungsinstrumenten wie PEP-R für Kinder und AAPEP für Jugendliche und Erwachsenen sind die Kompetenzen der Person besser zu erkennen. Nach internationalen Untersuchungen sind von 10.000 Kindern vier bis fünf autistisch.
Berücksichtigt man das ganze «autistische Spektrum», kommt man auf eine Zahl von 26 pro 10'000 Personen. Aber in den letzten Jahren haben die Spezialisten eine hohe Steigerung der Fälle, besonders in den USA, beobachtet. Schwierigkeiten bei der Diagnosestellung Die Diagnose «Autismus» ist grundsätzlich nicht einfach zu stellen. Erfahrungsgemäss sind selbst Fachleute häufig damit überfordert. Viele Eltern stellen schon sehr früh oft vor dem dritten Lebensjahr - Auffälligkeiten bei ihren autistischen Kindern fest.
Selbst wenn sie frühzeitig einen Kinderarzt oder eine Kinderärztin aufsuchen, können sie auch heute noch nicht damit rechnen, dass die Auffälligkeiten als autistische Störungen korrekt erkannt werden. In solchen Situationen erfolgt eine andeutungsweise gestellte Diagnose in Richtung Autismus (z.B. als «autistische Auffälligkeiten» oder «autistische Züge») erst nach dem dritten Lebensjahr. Häufig wird die Diagnose «Entwicklungsrückstand» oder «geistige Behinderung» gestellt, wo es sich eigentlich um eine autistische Störung handelt. Aus der Forschung und aus der Erfahrung von autismus-spezialisierten Fachpersonen und Beratungsstellen wissen wir, dass eine möglichst frühzeitige störungsspezifische Diagnose und entsprechende pädagogisch-therapeutische Massnahmen zu den besten und effizientesten Resultaten führt. Deshalb ist die Früherkennung von autistischen Störungen von enormer Bedeutung.
Hilfe zur Erkennung autistischer Störungen
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